
Dieses Knusper-Baguette ist der beste Beweis dafür, dass richtig gutes Baguette überhaupt nicht kompliziert sein muss. Ich liebe Rezepte, die ohne viel Aufwand auskommen und trotzdem richtig was her machen. Das Rezept ist bewusst einfach gehalten, sodass wirklich jeder es problemlos zuhause backen kann – ganz ohne spezielle Vorkenntnisse.
Der Teig kommt komplett ohne Kneten aus und auch das klassische Formen der Baguettes entfällt: Er wird einfach abgestochen, aufs Blech gelegt und gebacken. Genau das macht dieses Rezept so entspannt und alltagstauglich.
Ich backe dieses Baguette besonders gern am Wochenende zum Frühstück oder wenn Besuch ansteht. Es passt aber genauso gut als Beilage zum Grillen, zu Raclette oder Fondue. Außen wird es wunderbar knusprig, innen bekommt es eine lockere, saftige Krume mit schöner Porung. Ein Baguette, das nach viel Handwerk aussieht, aber überraschend einfach gemacht ist und garantiert Eindruck macht.

Nur 4 Zutaten sind für ein leckeres Baguette zwingend notwendig:
Mehl: Als Hauptzutat darf Mehl in keinem Brotteig fehlen. Gerade für Anfänger empfehle ich, zunächst mit hellen Weizenmehlen zu arbeiten, zum Beispiel mit Weizenmehl Type 550. Dieses eignet sich deutlich besser für Brotteige als Type 405, da es mehr Eiweiß enthält. Dadurch kann sich ein stabileres Glutengerüst entwickeln, das die beim Gären entstehenden Gase besser hält. Das Brot geht gleichmäßiger auf, bekommt mehr Volumen und eine schönere Krume.
Im Vergleich zu Type 405 ist Type 550 etwas gröber vermahlen und enthält mehr Mineralstoffe und Schalenteile. Das verleiht dem Brot ein volleres, „brotigeres“ Aroma und macht es insgesamt geschmacklich runder.
Du kannst die Baguettes problemlos zu 100 % mit Weizenmehl Type 550 backen. Damit gelingt der Teig zuverlässig. Ich persönlich mag jedoch den leicht nussigen Geschmack von Dinkelmehl und ersetze deshalb etwa die Hälfte der Mehlmenge durch helles Dinkelmehl Type 630.
Dinkelmehle sind etwas anspruchsvoller in der Verarbeitung als Weizenmehle, da sie weniger Klebereiweiß enthalten und dadurch weniger Wasser binden können. Um dennoch von ihrem aromatischen Geschmack zu profitieren, setze ich Dinkel bewusst nur anteilig ein. So bleibt der Teig trotzdem stabil, bekommt aber gleichzeitig eine feine, nussige Note.
Hefe: Ich nehme am liebsten Frischhefe, aber Trockenhefe geht natürlich auch.
Ob Frisch- oder Trockenhefe besser ist, darüber wird unter Bäcker*innen gerne diskutiert. Viele schwören auf Frischhefe wegen ihres besseren Geschmacks und der besseren Triebkraft, andere sehen zwischen beiden Varianten keinen Unterschied im Backergebnis.
Am Ende spricht vor allem die lange Haltbarkeit für Trockenhefe. Frischhefe ist gekühlt nur ca. zwei Wochen haltbar. (Tipp: Frischhefe kann jedoch bis zu 6 Monate eingefroren werden.) Ein weiterer Vorteil der Trockenhefe: Im Gegensatz zur Frischhefe muss sie nicht erst in Flüssigkeit aufgelöst werden, sondern kann direkt ins Mehl gegeben werden.
In der Regel entspricht 1/2 Würfel Frischhefe (21 g) einem Päckchen Trockenhefe (7 g) d.h. du kannst einfach die Menge an Frischhefe durch 3 teilen und erhältst dann die benötigte Menge an Trockenhefe.
Über die Menge der verwendeten Hefe lässt sich die Gehzeit eines Teiges gezielt steuern. Viel Hefe sorgt dafür, dass der Teig schneller aufgeht, was praktisch ist, wenn es eilig ist. Reduziert man hingegen die Hefemenge, verlängert sich die Gehzeit automatisch. Das hat gleich mehrere Vorteile: Der Teig entwickelt ein deutlich intensiveres Aroma, da die Hefe mehr Zeit hat, Geschmackstoffe zu bilden, und er wird in der Regel auch besser bekömmlich. Langsam geführte Teige mit wenig Hefe sind oft leichter verdaulich und komplexer im Geschmack. Wer also Zeit hat, profitiert von weniger Hefe und längerer Reifezeit.
In diesem Rezept habe ich bewusst einen guten Kompromiss zwischen Reifezeit und Hefemenge gewählt. Mit einer Gehzeit von etwa 3 bis 4 Stunden ist der Teig noch alltagstauglich, bekommt aber bereits genug Zeit, um ein schönes Aroma zu entwickeln und insgesamt bekömmlicher zu werden. Die Hefemenge ist dabei moderat gehalten, sodass der Teig nicht dominant nach Hefe schmeckt, sondern ausgewogen und rund bleibt.
Wenn es einmal schneller gehen muss und dir weniger als 3 Stunden zur Verfügung stehen, kannst du die Hefemenge auf bis zu 20 g erhöhen und die Reifezeit auf etwa 2 Stunden verkürzen. Mehr Hefe würde ich jedoch nicht verwenden, da der Teig sonst zu stark und zu schnell aufgeht, an Aroma verliert und deutlich nach Hefe schmecken kann.
Wasser: Ob du kaltes oder warmes Wasser verwendest, hängt davon ab, wie viel Zeit du deinem Teig zum Reifen geben möchtest. Die Wassertemperatur beeinflusst direkt die Teigtemperatur und damit die Gehzeit: Warmes Wasser sorgt für einen wärmeren Teig und verkürzt die Reifezeit, während kaltes Wasser den Prozess verlangsamt. Grundsätzlich profitieren Teige von einer längeren Gehzeit, da sich dabei deutlich mehr Aroma entwickeln kann. Im Alltag fehlt dafür jedoch oft die Zeit. Wenn es also schneller gehen soll, kannst du gut zu lauwarmem Wasser greifen. Die im Rezept angegebene Gehzeit ist auf lauwarmes Wasser ausgelegt.
Aber Achtung: Zu heißes Wasser kann die Hefezellen töten und dein Teig wird dann nicht aufgehen. Ideal liegt die Temperatur bei etwa 30-37 °C, also angenehm handwarm.
Verwendest du kaltes Wasser, solltest du entsprechend längere Gehzeiten einplanen.
Salz: Herzhafte Brote und Brötchen kommen ohne Salz geschmacklich nicht aus. Eine gewisse Menge gehört daher in jeden Brotteig. Wie viel Salz du verwendest, ist letztlich Geschmackssache. Üblich sind etwa 1,8 bis 3 % Salz bezogen auf die Mehlmenge. Ich persönlich mag es etwas salziger und arbeite meist mit rund 3 % Salz, also 30 g Salz auf 1 kg Mehl. Für mich ergibt das einen rund und ausgewogen gewürzten Teig. Natürlich kannst du die Salzmenge jederzeit nach deinem persönlichen Geschmack anpassen.
Salz spielt übrigens in Brotteigen nicht nur beim Geschmack eine entscheidende Rolle, sondern hat mehrere wichtige Aufgaben im Teig:
Stärkt das Glutengerüst: Salz festigt das Klebereiweiß im Mehl. Der Teig wird elastischer, stabiler und lässt sich besser verarbeiten.
Reguliert die Hefeaktivität: Salz bremst die Hefe leicht. Dadurch geht der Teig kontrollierter auf, entwickelt mehr Aroma und läuft nicht aus dem Ruder.
Verbessert die Teigstruktur: Der Teig bekommt mehr Spannung, hält Gärgase besser und geht gleichmäßiger auf.
Sorgt für bessere Frischhaltung: Salz bindet Feuchtigkeit und trägt dazu bei, dass Gebäck länger saftig bleibt.
Kurz gesagt: Salz trägt zur gesamten Teigperformance bei. Es macht den Teig stabiler, aromatischer und sorgt für ein besseres Backergebnis.
Zucker: Als kleiner Energieschub für die Hefe. Zucker ist nicht unbedingt notwendig, um Hefe zu aktivieren, da Hefe aus der Stärke im Mehl Zucker gewinnen kann. Die Zugabe von Zucker kann jedoch den Gärungsprozess beschleunigen, verglichen mit der Zeit, die die Hefe benötigt, um den Zucker aus der Stärke des Mehls zu spalten.

Meine Tipps für perfektes Knusper-Baguette
Der Teig für dieses Baguette ist sehr weich und klebrig, und genau das ist so gewollt. Der Grund dafür ist die hohe Hydration, also das Verhältnis von Wasser zur Mehlmenge. Eine hohe Hydration sorgt dafür, dass das Baguette später eine besonders lockere, großporige Krume bekommt und innen saftig bleibt. Deshalb wird der Teig auch nicht geknetet, sondern nur kurz mit einer Gabel oder einem Kochlöffel vermengt. Mehr braucht es nicht.
Nach der Gehzeit wird der Teig nicht geformt, sondern einfach auf eine sehr gut bemehlte Arbeitsfläche gestürzt. Hier auf keinen Fall am Mehl sparen. Das ist wichtig, damit nichts anklebt. Anschließend werden die Baguettes nur abgestochen und vorsichtig aufs Blech gelegt. Dabei solltest du behutsam arbeiten, damit möglichst wenig Luft aus dem Teig gedrückt wird. So entsteht später diese tolle Porung. Zum Abstechen verwende ich am liebsten eine Teigkarte aus Edelstahl*.
Sehr empfehlen kann ich außerdem ein Baguette-Backblech. Durch die Form bekommen die Baguettes Halt, gehen schön gleichmäßig auf und werden rundum knusprig, ohne zu verlaufen. Außerdem kann die Hitze optimal zirkulieren. Ein passendes Blech findest du zum Beispiel hier*.
Gebacken werden die Baguettes bei sehr hoher Temperatur. Das sorgt für eine kräftig knusprige Kruste, während das Innere saftig bleibt. Wichtig ist außerdem Dampf: Stelle beim Vorheizen unbedingt eine hitzebeständige Schüssel z.B. aus Edelstahl oder einen kleinen Topf mit Wasser in den Ofen. Der entstehende Dampf hält die Teigoberfläche zunächst elastisch, sodass das Baguette optimal aufgehen kann, besonders luftig wird und sich anschließend eine schön ausgeprägte, knusprige Kruste bildet.
Die Baguettes schmecken übrigens auch am nächsten Tag noch richtig gut. Einfach kurz im Ofen aufbacken, dann werden sie wieder herrlich knusprig. Sie lassen sich auch problemlos einfrieren: Nach dem Auftauen ebenfalls kurz aufbacken und sie schmecken fast wie frisch gebacken.
Mit den Mehlen kannst du natürlich variieren. Ein Teil des Mehls lässt sich gut durch Vollkornmehl ersetzen, das dem Baguette einen etwas rustikaleren, nussigeren Geschmack verleiht. Da Vollkornmehl mehr Wasser bindet als helles Weizenmehl, solltest du in diesem Fall die Wassermenge leicht erhöhen.
Knusper-Baguette
Dieses Knusper-Baguette ist der beste Beweis dafür, dass richtig gutes Baguette überhaupt nicht kompliziert sein muss. Der Teig kommt ganz ohne Kneten aus, die Baguettes werden nicht geformt, sondern einfach abgestochen - unkompliziert und absolut gelingsicher. Außen werden sie herrlich knusprig, innen locker und saftig mit schöner Porung. Perfekt fürs Wochenendfrühstück, als Beilage zum Grillen oder zu Raclette und Fondue. Ein Rezept, das wenig Aufwand braucht, trotzdem richtig Eindruck macht und garantiert jeder problemlos zuhause backen kann.

Portionen:
3 Stück
Kategorie:
Brot & Brötchen
Zutaten
Teig:
325 g Weizenmehl Type 550
325 g Dinkelmehl Type 630 (alternativ: Weizenmehl Type 550)
510 ml Wasser, lauwarm
6 g Frischhefe
1 TL Zucker
20 g Salz
Zubereitung
Lauwarmes Wasser in eine große Schüssel geben. Hefe und Zucker darin auflösen.
Mehl und Salz hinzugeben und alle Zutaten mit einer Gabel oder einem Holzlöffel leicht verrühren, sodass kein Mehl mehr zu sehen ist. Nicht wundern: Der Teig ist sehr klebrig, das ist aber so gewollt.
Den Teig zugedeckt für 3-4 h bei Raumtemperatur gehen lassen, bis sich sein Volumen mindestens verdoppelt hat.
Den Backofen auf 250°C O/U vorheizen. In den Ofen eine hitzebeständige Schüssel (z.B. aus Edelstahl) oder einen Topf mit ausreichend Wasser stellen, das dann verdampfen soll.
Eine ordentliche Menge Mehl (hier nicht sparen) auf die Arbeitsfläche geben und den Teig vorsichtig darauf schütten.
Den Teig auch auf der Oberseite mit ordentlich Mehl bestäuben. Mit einem Teigschaber den Teig in drei gleichgroße Baguettes teilen. Den Teig nicht kneten oder formen, dafür ist er zu weich.
Die Baguettes vorsichtig auf ein mit Backpapier belegtes Backblech setzen. Immer darauf achten, dass beim Abstechen und Platzieren der Baguettes nicht zu viel Luft aus dem Teig gedrückt wird. Wer möchte, kann die Baguettes noch einschneiden - ist aber kein Muss.
Bei 250°C O/U ca. 25-30 min backen, bis die Baguettes den gewünschten Bräunungsgrad erreicht haben.
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